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Buch Nr. 5

„BEGEGNUNG MIT DEN GÖTTERN“ ist ein Sprung in jüngster Vergangenheit, der unauslöschbare Erinnerungen beim Autor hinterlassen hat. Beim Erzählen seiner Schicksalsschläge in Kenia als Spaghetti-Hersteller, stellt uns Bruno Cisamolo aus der Sicht zweier Extremen der Mentalität der vielen Stämme die in dem Land wohnen, die Veränderungen vor, die im Lande selbst vorgehen. Die Mehrheit der Stämme akzeptiert die Zivilisations- und Fortschrittsweisen, die von der Herkunft des weißen Mannes mitgebracht worden sind und widmet sich mit Interesse der Errichtung eines modernen Staates nach den Schema unserer Konsumgesellschaft, obwohl dies der Verzicht auf die eigene Traditionen, die eigene Kultur, der Religionen, der Sprachen und den seit Millionen von Jahren praktizierten Riten voraussetzt.
Es gibt aber auch viele Stämme, die nicht wandeln wollen und sich dagegen weigern in der neuen, wachsenden Welt mit neuen Gesetzten, Sprachen, Religionen und Traditionen zu integrieren, die zu anders sind als die eigenen. Diese Stämme sind leider eine Minderheit und haben keine Möglichkeit sich entgegenzustellen. Sich in der neuen Welt integrieren bedeutet sich und die eigene Kultur aufgeben, aber leider haben sie keine andere Wahl. Es sind Stämme, die zum Aussterben bestimmt sind und mit ihnen werden Traditionen zerstört werden, die vielleicht Millionen von Jahren alt sind.

 

 

Lesen Sie aus meinem fünften Buch .... 
Die Afrikanische Krankheit ist der Preis, den man zu zahlen hat, wenn man dieses besondere Paradies betreten will, der Preis, den man zahlt, will man es sehen und genießen.

Wenn du das Rift Valley mit seinen Vulkanen Suswa und Longonot und den Naivasha-See überflogen hast, dann hast du das Gefühl, sehr weit weg geflogen zu sein. Du hast den Eindruck, nun zu wissen, wie die andere Seite des Mondes aussieht, weil du sie mit deinen eigenen Augen aus der Nähe betrachtet hast.

Der Massai, der im Inneren der Umzäunung auf dem Boden saß und von einem Dutzend Frauen und Kindern umringt war, erhob sich, kam mir entgegen und richtete seine Lanze auf mich.

Mtito kam nach wenigen Minuten ohne das Ersatzteil zurück und sagte, dass er Angst hatte, das Ersatzteillager zu betreten, weil ein chui darin war, ein Leopard.

Überall waren Hyänen, so fett und faul wie noch nie. Sie mussten sich überhaupt nicht anstrengen, um leichte Opfer unter den vielen Tieren zu finden, die nicht mehr die Kraft hatten, sich zu bewegen, und die ergeben den Tod erwarteten, der sie von ihrem Martyrium erlöste.

Der Enkai und der Kirinyaga. Ich hatte vor mir und mit mir zwei Götter und saß mit ihnen wie in einem Dreieck in der Unendlichkeit der Savanne. Es war, als sprächen sie mit mir, als wollten sie mich einladen, mit ihnen zu reden. Zwei mächtige Götter, verehrt von völlig verschiedenen Rassen.
Aber auf diesem Stein und in diesem besonderen Augenblick konnte ich nicht allein sein weil man in solchen Momenten niemals allein ist. Mit mir an meiner Seite war mein Gott, und Er war es, der durch mich mit den beiden Großen sprach und versuchte, ihnen meine Position zu erklären, meine Rolle und meine Gefühle angesichts dessen, was im Land geschehen war und wie sich die Zukunft darstellte.

So! Ohne etwas davon gemerkt zu haben, hatte ich Karriere gemacht: Ich war ein
Muganga geworden, ein Medizinmann!
 
 
 
Aus dem vorletzten Kapitel:

Nie zuvor hatte ich beide Berge gleichzeitig sehen können, nie hatte ich gedacht, dass so etwas möglich war. Zwei mächtige und gute Götter, der eine, der Kilimandscharo, das ist der Enkai, ungefähr 6500 Meter über dem Meeresspiegel, und der andere, der Mount Kenia, das ist der Kirinyaga, der über 5500 Meter hoch ist.

Der Enkai und der Kirinyaga.
Ich hatte vor mir und mit mir zwei Götter und saß mit ihnen wie in einem Dreieck in der Unendlichkeit der Savanne. Es war, als sprächen sie mit mir, als wollten sie mich einladen, mit ihnen zu reden. Zwei mächtige Götter, verehrt von völlig verschiedenen Rassen.
Komisch! Ich habe noch nie zuvor in dieser Weise gedacht, aber es war nun einmal so: Der Kirinyaga war der Gott der Bantu, also der Kikuyu und der anderen kleineren Stämme, die rund um den Mount Kenia lebten. Der Enkai war der große Gott der Massai, also der Nomaden nilotischer Herkunft, die in der Savanne leben. Es waren also zwei Götter, die zwei gegensätzliche Denkweisen vertraten: Kirinyaga vertrat die Stämme, die für die neuen Möglichkeiten des Fortschrittes und der Emanzipation waren, während Enkai die Traditionalisten vertrat, die in keiner Weise die Lebensformen der Weißen akzeptierten, ja, sie sogar verachteten.

Die zwei großen Götter waren bei mir, einer zu meiner rechten und der andere zu meiner linken, und es schien, als ob sie mir die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihren Sichtweisen und ihren Positionen erläutern wollten. Kirinyaga repräsentierte mit seinen Kikuyu ein sich dermaßen schnell entwickelndes Kenia, dass er nichts anderes tun konnte, als stolz darauf zu sein. Kein anderes Land in Afrika hatte sich so schnell und so positiv entwickelt wie Kenia. Das war eine Tatsache, und auch ich habe in gewisser Weise einen kleinen Teil zu diesem Fortschritt beigetragen. Dieser Fortschritt hat jedoch mit der Umsetzung viele Neuerungen gebracht, wie Hochhäuser, asphaltierte Straßen, Fabriken, Fernsehantennen und Einkaufszentren, aber als Nebenwirkung waren die Elendsviertel von Mathare Valley und von Eastlee mit ihren vielen Millionen Arbeitslosen, verzweifelten, hungernden, kranken Kindern und menschlichen Wesen ohne Zukunft und ohne Hoffnung entstanden.

Enkai dagegen repräsentiert ein Volk, das stolz und treu zu seiner Kultur steht und nicht an dieser Art von Fortschritt teilnehmen will, und das deshalb zum Sterben verurteilt ist. Wie die Dinosaurier, die nicht wussten, wie sie sich an die unvermeidbare Veränderung ihrer Umgebung anpassen sollten, in der sie lebten.

Waren beide im Recht? Für die einen war der Fortschritt die unvermeidliche Veränderung des menschlichen Daseins, an der sie vorher nicht hatten teilnehmen können. Sie waren zurück geblieben und mussten deshalb die verlorene Zeit aufholen, um mit der restlichen Menschheit gleichzuziehen. Der Preis dafür war die Bevölkerungsexplosion und die unkontrollierte Verstädterung. Mit anderen Worten, der Preis bestand aus Abermillionen hungernden, kranken Kindern ohne Zukunft und ohne Hoffnung.
Für die anderen konnte es keinen Fortschritt geben, weil diese zu radikale Veränderungen, das Verleugnen der eigenen Identität, der eigenen Kultur und sogar des eigenen Gottes voraussetzte. Für sie war die einzige Alternative der Tod. Ein würdevoller Tod.
Beide Götter stellen auf ihre Art berechtigte Gründe dar, aber mit welchen Aussichten? Was mich angeht, so stimme ich dem Verhalten der Stämme zu, die sich Hals über Kopf in die neuen Möglichkeiten des Fortschrittes der neuen Republik gestürzt hatten. Aber ich empfinde auch eine riesengroße Bewunderung für jene Stämme, die kämpfen und auch bis zu ihrem Tod kämpfen werden, um ihren eigenen Traditionen, ihren eigenen Lebensformen, ihrer eigenen Kultur und ihrer wirklichen Identität treu zu bleiben, auch auf Kosten des eigenen Überlebens.

Aber ist es wirklich wert, dafür zu kämpfen und zu sterben?
Offensichtlich ja! Im Grunde stirbt man ja auch schon für viel weniger!

Der Tod aller Massai, die heute vielleicht zirka 300.000 betragen könnten, gleicht dem Bevölkerungswachstums des Landes von nicht mehr als zehn oder fünfzehn Tagen. Mit anderen Worten, in 10 oder fünfzehn Tagen kommen in Kenia ungefähr 300.000 Kinder zur Welt, für die es keinen Platz gibt außer in der Hölle der Elendsviertel wie Mathare Valley von Nairobi. Wie viele von ihnen werden überleben und wie viele werden an AIDS, an Gewalt oder ganz langsam vor Hungers sterben. Alles in allem gibt es in den Elendsvierteln mehr Tote als im gesamten Land der Massai. Aber es ist ein viel schrecklicherer Tod, der den Massai recht gibt.
Wahrscheinlich haben die Anhänger Kirinyagas, anders als die des Enkai, eine andere Todesart gewählt, aber es blieb immer ein Tod.

Aber was spielte ich für eine Rolle in dieser Geschichte?
In der Position, in der ich mich auf meinem Stein befand war es so, als wäre die Savanne ein runder Tisch, an dem ich in diesem Moment gemeinsam mit Enkai und Kirinyaga saß, um genau dieses Thema offen zu prüfen und zu diskutieren. Aber auf diesem Stein und in diesem besonderen Augenblick konnte ich nicht allein sein weil man in solchen Momenten niemals allein ist. Mit mir an meiner Seite war mein Gott, und Er war es, der durch mich mit den beiden Großen sprach und versuchte, ihnen meine Position zu erklären, meine Rolle und meine Gefühle angesichts dessen, was im Land geschehen war und wie sich die Zukunft darstellte.
In der Verbindung mit meinem Gott gelang es mir, tief in mich hinein zu gehen auf der Suche nach einer Klarheit, die mein Gewissen zufrieden stellte. Vom Dialog mit den beiden Göttern des Ortes dagegen hatte ich eine viel klarere Sichtweise der Situation gewonnen und eine Bestätigung meiner Gefühle für dieses schöne Land, das mir Gastfreundschaft gewährt und mir erlaubt hatte, mich mit all meinen Fähigkeiten auszudrücken.
Am Ende hatte ich, was nicht weniger von Bedeutung war, eine genaue Begründung für die Motive und für die Berechtigung meines Entschlusses gefunden, ein letztes Mal abzureisen und nie mehr zurückzukehren.

Ich ließ meinen Blick weiter zwischen dem runden Gipfel des einen und dem spitzen des anderen Berges schweifen hinweg über die gerade Linie des Horizontes und nahm die wohltuende Wirkung in mich auf, die der Anblick der beiden Riesen bewirkte. Ich kannte den Kirinyaga sehr gut aus nächster Nähe, weil ich ihn bereits mehrmals bestiegen hatte bis in eine Höhe von über 4.000 m bis zu dem Punkt, wo der Wald endete und die Vegetation und die Landschaft plötzlich ein mondähnliches Aussehen annahm in einer eisigen, schneidenden und verdünnten Luft..

Der Baum und der Stein, auf dem ich saß, waren wirklich ein Tempel mit einem Altar. Von diesem Altar aus waren mein Gott und ich den beiden Göttern dieser Gegend begegnet und hatten mit ihnen gesprochen.
In diesen Gedanken lag nichts Heidnisches. Gott ist immer Gott, ganz gleich an welchem Ort und in welcher Sprache man Ihn anbetet und in welcher Form auch immer wir Ihn uns vorstellen. Unser Gott oder irgendein anderer Gott ist allgegenwärtig an jedem Ort und in jeder Sache. Aber offensichtlich gibt es Orte, Augenblicke und Voraussetzungen, in denen man Ihm eher begegnen, sich Ihm besser nähern und leichter mit Ihm sprechen kann. Dies war so ein Ort. Für mich war es schon beim ersten Mal so gewesen.

Jede Religion schafft oder errichtet solche Orte. Manchmal sind sie sehr schlicht, aber in den meisten Fällen findet man reiche, künstlerische, prächtige und imposante Bauten. Man nennt sie Kirchen, Tempel, Synagogen, Moscheen, Kathedralen, Klöster, Basiliken und Kapellen, und der Mensch geht dorthin, um zu beten, zu meditieren, zu entspannen und um Frieden mit sich und der Welt zu schließen. An solchen Orten begegnet der Mensch dem, an den er glaubt, und der Kraft, die eigenen Gedanken zu ordnen, um sich weiter dem Leben zu stellen nach der Ethik, die sein Gott, seine Religion und seine Moral ihm auferlegen.

Ich denke, jeder von uns hat seinen Gott, ob er es nun zugibt oder nicht. Wenn wir in uns selbst nach Klarheit suchen, wenn wir die Notwendigkeit verspüren, unsere Fähigkeiten zu untersuchen und zusammenzufassen, zu koordinieren, wenn wir an unsere Ethik appellieren, um Entscheidungen zu treffen für unsere Gegenwart, unsere Zukunft, für unser Leben und das der anderen, wenn wir wählen und entscheiden müssen, wie wir uns in einer Situation verhalten, die eine Entscheidung verlangt, wenn wir zufrieden sind mit dem, was wir getan haben oder was wir gerade tun, wenn wir uns unsicher fühlen, wenn wir uns unterdrückt fühlen, wenn wir uns unentschlossen fühlen, wenn wir glücklich sind, wenn wir einen Augenblick anhalten, um nachzudenken und um etwas zu entscheiden – bei all diesen Gelegenheiten suchen wir automatisch, unbewusst und in verschiedenster Weise Gott, und wir nähern uns Ihm.

Auf diesen Stein hatte ich mich schon oft gesetzt, und jedes Mal hatte ich Fortschritte mit mir und in mir selbst gemacht.
Auf diesem Stein hatte der König des Waldes, Simba, gelegen und war Stunde um Stunde in tiefer Betrachtung geblieben, in ebenso tiefer wie die meine. Auf diesem Stein hatte der Löwe sein Ende erwartet, und es war ihm sicher bewusst gewesen, was auf ihn zu kam. Er starb hier, getröstet von der Anwesenheit seiner geliebten Gefährtin und in der Gesellschaft seiner Kinder. Ist das vielleicht nicht doch ein beneidenswerter Tod?
8Auf diesem Stein hatte Saitoti, der Massai aus Cambridge, der Laibon, der große Priester, meditiert über die schwierige Lage seiner Rasse, die vom Aussterben bedroht war, und über die Notwendigkeit, Formen der Eingliederung in die Kultur der Eindringlinge zu akzeptieren, um zumindest für einige seiner Männer auf eine Möglichkeit des Überlebens hoffen zu können.

Simba, Saitoti und ich: drei Lebensformen, drei Denkweisen, drei Kulturformen und vielleicht auch drei unterschiedliche Religionen.
Meine mit der Technologie, der Zeitrechnung und den Methoden der „zivilisierten Welt", die den Fortschritt gebracht hat zu einem Volk, das nicht viel weiter gekommen war als bis zu Rad und Hebel in der selben Zahl der Jahrhunderte, in denen wir den Kompass, das elektrische Licht, das Telefon, den Reißverschluss, den Computer, das Aspirin, die Raumschiffe und, warum auch nicht, die Spaghetti-Fabriken erfunden haben.

Die, dieses Löwen, gebunden an die Gesetze des Stärkeren, des Einfacheren, des Reineren und des Logischeren, die zumindest zum Teil unseren Planeten regieren: die Naturgesetze. Wir haben uns zum großen Teil von ihnen gelöst, um neue zu erlassen und ihnen zu folgen. Wir haben diese neuen Gesetze für unsere Zwecke erfunden, oft genug in absoluter Respektlosigkeit gegenüber der selben Natur, die uns geschaffen hat und die uns dennoch die Mittel an die Hand gibt, uns in dieser Richtung weiter zu entwickeln.

Und schließlich die von Saitoti, dem Laibon, dem weisen Massai, dem Mittler zwischen einer Welt, die im Namen des Fortschritts stürmen und zerstören will, und einer stolzen, wunderschönen und noblen Rasse, die fest verwurzelt und treu ist gegenüber ihren eigenen antiken Gesetzen, der eigenen Kultur und den eigenen Traditionen, dass sie keine andere Möglichkeit sieht, leben zu können. Einer Rasse, die dazu bestimmt ist, zu sterben oder sich selbst zu zerstören, weil es für sie eine noch schlimmere Art des Todes ist als der physische Tod, wenn sie sich ändern, sich integrieren und sich in der Art der Eindringlinge entwickeln müssen. Vor dem physischen Tod hatten die Massai noch nie Angst gehabt.

Ich bin stolz darauf, in einer Zeit in Kenia gelebt zu haben, in der unser zerstörerischer Maschinismus, unser Einstellung, ihr Werk noch nicht vollendet hatte.

Ich bin stolz darauf, Kenia rechtzeitig gesehen zu haben, bevor es völlig verschwand hinter dem neuen Bild eines Landes, das sich beeilt, den Segen unserer modernen Konsumgesellschaft zu erlangen.

Aber ich bin auch stolz darauf, die Kraft gefunden zu haben, nie mehr zurückkehren zu wollen, auch wenn es sehr schwierig ist, diese Entscheidung zu treffen, und noch viel schwieriger, sie auch einzuhalten.

 

 

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